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Wichtiger Spendenaufruf! |
| Liebe Freunde unserer Arbeit! Als Leiter und Mitbegründer der Ländlichen Heimvolkshochschule Lauda möchte ich Sie um Mithilfe bitten, damit der Schulverein das "Gasthaus zu Linde" erwerben kann, um bereits im Spätjahr 2011 unsere Kurse dort durchzuführen.
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Brasilienreise „Vom Rio São Fransisco nach Belém do Pará im Amazonasdelta“ |
| Lauda. Am Sonntag, den 25. Januar 2009 findet um 18.00 im Großen Rathaussaal von Lauda der Lichtbildervortrag „Brasilienreise vom Rio São Fransisco nach Belém do Pará im Amazonasdelta“ mit Wolfgang Anton Knoch, Leiter der Ländlichen Heimvolkshochschule Lauda, statt. Dazu laden wir alle Interessenten recht herzlich ein. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei. Aus organisatorischen Gründen bitten wir um eine telefonische Anmeldung. Landnutzung in Brasilien Wolfgang Knoch war von 1980-92 Mitarbeiter des Deutschen Entwicklungsdienstes in Nordostbrasilien. Alljährlich reist er nach NO-Brasilien um ein ländliches Entwicklungsprojekt am Rio São Fransisco in Bahia zu betreuen, das er in den 90er Jahren dort aufgebaut hat. Die Region hat schon oft für Schlagzeilen gesorgt, weil durch neu erbaute Wasserkraftwerke am Rio São Fransisco 120.000 Menschen von ihrem Land vertrieben wurden. Allein in Bahia gibt es 600.000 kleinbäuerliche Existenzen, die es zu sichern gilt, um die Landflucht in die Millionenstädte Salvador und Recife nicht weiter anzuheizen. Die brasilianische Regierung unter Präsident „Lula“ ist heute bestrebt die kleinbäuerliche Landwirtschaft zu fördern. Denn in Brasilien erzeugen Kleinbauern rund 70 Prozent der Grundnahrungsmittel Reis, Bohnen, Mais, Maniok, Gemüse, Baumfrüchte sowie Ziegen- und Schaffleisch. Die Agrarindustrie hingegen ist exportorientiert und erzeugt neben Kaffee, Kakao und Baumwolle vor allem Soja, Alkohol aus Zuckerrohr, Biotreibstoff von Ölpalmenplantagen und Rindfleisch auf gerodeten Waldflächen der „Campos cerrados“ (Buschwälder in Zentral-brasilien) und des tropischen Regenwaldes. Erkundungsreise an den Amazonas Von Recife aus reiste W. Knoch im Juni 2008 zunächst 500 km im Überlandbus nach Paulo Afonso an den Rio São Fransisco, wo sich das oben genannte Entwicklungsprojekt befindet. Gemeinsam mit Sohn Felípe begab er sich im August mit dem Pkw auf die Erkundungsreise ins Amazonasdelta. Zunächst führte die Fahrt Hunderte Kilometer durch den trocken-heißen „Sertão“ der Bundesstaaten Bahia, Pernambuco und Piauí, ein unwirtlicher schier endloser Landstrich. Bei Tarrachil in Bahia wurde der Rio São Fransisco auf einer Fähre nach Pernambuco überquert, das sich von der Küste über 1.000 km weit ins Landesinnere erstreckt. Weiter ging die Fahrt über Salgueiro und Ouricuri nach Araripina an der Grenze von Piauí. Die Niederschläge in der Trockenregion liegen unter 250 mm und das Gebiet wird regelmäßig von Dürren heimgesucht. Dieses Naturphänomen hat in den vergangenen Jahrhunderten viele Menschenleben gefordert und die Weidetierbestände extrem dezimiert. Millionen Menschen flüchteten nach Rio de Janeiro und São Paulo. Heute können Dürrepe-rioden durch Notstandsmaßnahmen entschärft werden. Wachspalmenhaine und Babassupalmenwälder Von Araripina führte die Reise nach Teresina, der Hauptstadt von Piauí, mit Sommertemperaturen von über 40 Grad Celsius, vorbei an Niederungen mit Dürre-resistenten Wachspalmenhainen (Carnaúbapalmen) und niedrigem Buschland. Teresina hat sich im vergangenen Jahrzehnt sprunghaft entwickelt und gilt heute als „Princesa do Sertao“ (Prinzessin der Trockenregion). Der Wirtschafts-boom in Brasilien hat auch die meisten Kleinstädte im Landesinnern erreicht. Durch das hohe Bevölkerungswachstum und die Landflucht dehnen sich die Siedlungen um Teresina heute ins Uferlose aus. Trotz vieler ungelöster Probleme hat sich für die Menschen im Nordosten das Leben verbessert, nicht zuletzt durch Beihilfen, welche die Regierung unter Präsident Lula bedürftigen Familien erteilt. Während vor Teresina trockene Buschwälder das Landschaftsbild bestimmten, ändert sich jetzt allmählich die Vegetation. Die Carnaúba-Palmen mit ihren stacheligen, Wachs-überzogenen Blattfächern machen den Babassupalmen-Wäldern platz. Die Babassupalmen-Wälder erstrecken sich in riesigen Beständen über große Teile des Bundesstaates Maranhão, der „Brücke“ zum Amazonasstaat Pará. In Maranhão prasseln zwar noch keine tropischen Regengüsse nieder, man weiß jedoch, dass sich die Babassupalmen-Wälder über riesigen unterirdischen Wasservorräten ausdehnen, die sich in Jahrmillionen gebildet haben, und bis heute durch Niederschläge gespeist werden. Der sehr langsamen Jugendentwicklung der Babassupalme steht eine Lebensdauer von 200 Jahren gegenüber. Die Fruchtkapseln liefern ein wertvolles Speiseöl und Grundstoffe für Seifenherstellung und Biotreibstoffe. Zebu-Rinderfarmen um Bacabal Im Herzen von Maranhão liegt die tropisch-heiße Stadt Bacabal, heute von Viehfarmen umgeben mit Restbeständen von gerodeten Babassupalmen-Wäldern. Unter tropischer Sonne grasen hier Hunderttausende Zeburinder. Die Farmen der Viehzüchter bestehen lediglich aus einem Wohnhaus und dem Viehpferch mit Verladestation. Über diese treibt man Schlachttiere auf Viehlaster für den Export nach Übersee. Die endlosen Weidezäume reichen bis an den Straßenrand und lassen der Landbevölkerung kaum Raum zur Errichtung von Siedlungen. Die meisten Häuser sind aus Lehm und mit Blattwedeln der Babassupalme eingedeckt, eine an das Klima angepasste Bauweise aus Materialien zum Nulltarif. Die Behausungen sind aber auch ein Ausdruck wirtschaftlicher Not und Rückständigkeit. Maranhão ist einer der ärmsten Staaten in Brasilien. Vom früheren Reichtum durch den Anbau von Baumwolle sind nur koloniale Prachtbauten in der Hauptstadt São Luis und anderen Küstenstädten geblieben. Die kolonialen Stadtviertel zählen heute zwar zum Weltkulturerbe, aber sind zum Teil auch dem Verfall preisgegeben. Aus der Kolonialzeit stammt der berühmte Satz des Geschichtsschreibers Caio Prado Junior: „Die weiße Baumwolle hat Maranhão schwarz gemacht“, womit er auf die 25.000 Sklaven aus Afrika hinweist, die zwischen 1757 und 1777 nach Maranhão und Pará gebracht wurden, um auf den Baumwollfeldern zu arbeiten. Mit der Abschaffung der Sklaverei durch Prinzessin Isabel 1888 brach die Baumwollproduktion zusammen. Santa Lucia als Schutzpatronin Weiter auf dem Weg zum Amazonasdelta durchquert man das Städtchen Paruá. Mitten im Ort steht die blendendweiße Statue der Heiligen Lucia, der Helferin bei Augenleiden. Sie trägt symbolisch zwei Augäpfel auf einem Teller in ihrer rechten Hand. Das Städtchen hat alles zu bieten, was Brasilianer brauchen: Lebensmittelläden, kleine Baumärkte, Apotheken, einen Schönheitssalon mit dem wohlklingenden Namen „Rosa dourada“ (goldene Rose), eine Videothek, einen Laden mit Cyber-Games, kleine Adventisten-Tempel, einen Unterstand für Motorradtaxen, Modegeschäfte und viele Bars. Vom tropischen Regenwald ist hier seit Jahrzehnten nichts mehr zu sehen. Nur die stillgelegten Sägewerke am Stadtrand mit unvorstellbar großen Halden von Sägemehl, die vor sich hin verrotten, sind die stummen Zeugen des einstigen Regenwaldes. In nur 30-40 Jahren wurde hier ein Millionen Jahre alter Regenwald vollständig zerstört. Für die junge Generation ist nicht ein einziger Urwaldriese als Zeuge des einstigen Waldreichtums geblieben, was auch niemanden zu stören scheint. Womit Bäckereien und Ziegeleien heizen werden, wenn die Sägemehlhalden aufgebraucht sind, bleibt ungewiss. Die Abholzung begann in den 60er Jahren Der westliche Teil von Pará wurde bereits um 1960 abgeholzt und in endlose Viehweiden umgewandelt. Auf einer Strecke von mehreren Hundert Kilometer ist kein einziger Urwaldriese mehr zu sehen. Die ausgewaschenen Sandböden geben nicht viel her. Der Urwaldboden ist eben für Ackerbau und Viehzucht langfristig nicht geeignet. Wenn man sich vorstellt, dass hier statt sperrigem Weidegras oder Bohnenfeldern früher ein 50 m hoher tropischer Regenwald gestanden hat, dann überkommt den Betrachter eine unsägliche Traurigkeit über die sinnlose Zerstörung. Die alten Urwaldströme sind nahezu vertrocknet und führen nur bei Regen größere Wassermengen. Die spärli-chen Flüsse transportieren immer noch Huminsäuren ab, die durch die Zersetzung von Wurzeln im Erdreich entstehen und auch nach Jahrzehnten noch aus dem Boden ausgewaschen werden. Sie färben das Flusswasser tief schwarzbraun. Heute ist ein Holzhaus ein Luxus oder ein marodes Überbleibsel aus der Vergangenheit. Die Amazonasregion ist hier vollkommen ausgeblutet und hat außer Vieh nichts zu bieten, und das dient nur wenigen Großgrundbesitzern. Die Landbevölkerung hat keinerlei Entwicklungsmöglichkeiten. Von Capanema über Castanal nach Belém do Pará Von Capanema führt eine Straße nach Salinópolis an die Küste des Atlantik, auf einem Grad südlicher Breite gelegen. Der Blick über die Küste lässt Reste von Mangrovenwäldern erkennen, die durch die Bautätigkeit immer mehr verschwinden. Mangrovenwälder sind jedoch reichhaltige schützenswerte Ökosysteme. Die Mangroven beruhigen das Meerwasser und bieten für viele Meeresfische Laichmöglichkeiten. Von Salinópolis geht es weiter über Castanal nach Belém do Pará. Castanal profitiert von der Erschließung von Eisenerz und Aluminium im Großprojekt Carajas. Das Bergbauprojekt - der Abbau der Erze erfolgt über Tage - erstreckt sich weiter südlich entlang des Rio Tocantins und hat die Zerstörung einer Urwaldfläche von der Größe Bayern zur Folge. In Castanal reiht sich eine Lagerhalle an die andere und immer neue werden gebaut. Ursprünglich wuchsen hier unzählige Paranussbäume, 50 m hohe Charakterbäume des Amazonasurwaldes, woher sich der Name Castanal ableitet. Nicht ein einziger Paranussbaum ist geblieben und so geht es weiter bis nach Belém do Pará, vorbei an einer gigantischen Bierfabrik mitten im einstigen Regenwald, obwohl hier kein Getreide wächst. Belém do Pará - die Eintrittspforte in den Regenwald Im südlichen Teil des 100 Kilometer breiten Mündungsdeltas des Amazonas am Ufer des Rio Tocantins liegt Belém do Pará. Die Stadt ist die Eintrittspforte in den größten tropischen Regenwald der Erde. 60 % des brasilianischen Territoriums hat der Amazonasurwald ursprünglich bedeckt. Heute sind rund 20 % abgeholzt und dieser Prozess geht ungebremst weiter. In Belém do Pará zeu-gen viele Kolonialbauten vom ehemaligen Reichtum im 19.Jh., der auf dem Export von Kautschuk beruhte. Durch Kautschukplantagen im asiatischen Raum und später durch die synthetische Herstel-lung von Gummi brach der Markt und die Kapitalstruktur der Kautschukbarone zusammen. Im Herzen von Belém do Pará befindet sich ein großer Park mit dem Museum „Emilio Goeldi“, ein Institut, das sich mit der Erforschung der biologischen Vielfalt im Amazonasregenwald befasst. 300 Beschäftigte und 80 Wissenschaftler sind darin tätig. Im Park kann man einige 50 m hohe Urwaldriesen bestaunen, ein gewaltiger Anblick. Ein Höhepunkt von Belém do Pára ist zweifelsohne der Fischerhafen mit dem Markt „Ver-o-peso“. Die Vielfalt der hölzernen Fischkutter sind ein prachtvolles farbiges Ensemble vor der Kulisse einer großen blaugrauen Markthalle mit vier Türmchen und dem Amazonasfluss. Unter einer modernen Zeltdachkonstruktion befinden sich die Marktstän-de von Hunderten Gemüsehändlern und Gewerbetreibenden. In der Markthalle werden die Fische verkauft. Als besondere Spezialität gilt der „Filhote“, ein wohlschmeckender Fisch aus dem Ama-zonasfluss. In der Frühe werden auch an der Hafenmauer Fische angeboten. Überall herrscht reges Treiben und man sieht, wie in Hunderten geflochtenen Körben die Früchte der Assaí-Palme verladen werden. Assai-Früchte liefern einen tiefroten vitaminreichen Brei. In einem weiteren historischen Gebäude am Markt ist ein Indianermuseum untergebracht, das die Kultur der indigenen Völker vermitteln soll. Nicht weit vom Hafen befindet sich die Kathedrale São José, deren Türme in strahlendem Weiß in die Höhe ragen. Flussfahrt auf dem Rio Tocantins Eine Schifffahrt auf dem Amazonas ist ein einzigartiges Erlebnis, vor allem wenn die Passagierschiffe den breiten Strom verlassen und in die „Corredores“ (Seitenarme) einfahren. Das sind oft nur 30-80 m breite Wasserläufe, welche das Flussdelta durchziehen und einen Einblick in das Leben der Uferbewohner ermöglichen. Überall sieht man die Anlegeplätze der Bewohner des Regen-waldes. Ob Schule oder Kirche, alles wird vom Wasser aus erreicht mit Booten, die kreuz und quer über den Fluss schippern. Im Gegensatz zu dem stickig-heißen Klima in Belém do Pára, kann man auf dem Wasser den tropisch warmen Wind genießen, der als angenehm frische Briese das Passa-gierschiff durchströmt. Uns bleibt nicht mehr viel Zeit, um die Flusslandschaft um Belém do Pára zu weiter erkunden, denn schon an nächsten Tag geht die Reise zurück nach Paulo Afonso am Rio São Fransisco. Es bleiben unvergessliche Eindrücke und die Gewissheit: Der Amazonasurwald - der größte tropische Regenwald der Erde - muss bewahrt werden, weil seine Bedeutung für die ge-samte Menschheit grenzenlos ist. Schlussbetrachtung Im Gegensatz zum Amazonasurwald, dem Norden von Brasilien, kann im trocken-heißen Nordosten traditionelle Landwirtschaft und Viehzucht betrieben werden. Die Böden sind fruchtbar und das Klima insgesamt vorteilhaft. Jedoch muss die prekäre ländliche Infrastruktur verbessert werden, damit die Menschen in der Region besser leben können. Neben dem Ausbau der Verkehrswege, des Gesundheitswesens und der Förderung kleiner Unternehmen ist die bessere Ausbildung der Kleinbauern die wichtigste Herausforderung. Trotz der Trockenheit ist in der Regenzeit Regenfeldbau und Weidewirtschaft und in Flussnähe ganzjährig Bewässerungsfeldbau möglich. Die Speicherung der Niederschläge in Staubecken und Zisternen und Bewässerungsprojekte am Rio São Fransisco bieten langfristig optimale Entwicklungschancen für diesen vielfältigen Agrarraum. Der Nordosten wurde lange Zeit vernachlässigt, erlebt aber heute einen starken Entwicklungsimpuls, dessen Richtung es hin zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung zu lenken gilt. Nähere Informationen und Anmeldung zu dem Vortrag bei der Ländlichen Heimvolkshochschule Lauda, Hohenloher Straße 8, 97922 Lauda, Tel. 09343-589190, Fax 09343-613781. Internet: www.LHVHS.de, E-Mail: Info@lhvhs.de |
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